Papierrechnung abschaffen: So gelingt die Umstellung auf E-Rechnung

Die Papierrechnung hat ausgedient. Erfahren Sie, wie Sie die Umstellung von Papier- auf E-Rechnung im Unternehmen Schritt für Schritt umsetzen.

22.02.2027

Briefumschlag, Kuvertiermaschine, Postausgangsbuch – wer das noch nutzt, arbeitet wie 1995. Spätestens mit der vollständigen E-Rechnungspflicht 2028 ist Schluss damit. Wer früher umstellt, spart Geld, Zeit und Nerven. Diese Anleitung beschreibt den Weg, ohne die typischen Stolperfallen.

Was kostet eine Papierrechnung wirklich?

Eine Studie der Bundesdruckerei beziffert die Vollkosten einer Papierrechnung auf 8 bis 12 €. Darin enthalten:

PostenAnteil
Druck und Verbrauchsmaterial1,50 €
Porto0,85 €
Personalzeit für Erstellung und Versand4–6 €
Archivierung1–2 €
Reklamationen und Rückläufer0,50–1 €

Eine E-Rechnung kostet im Vergleich 0,30 bis 1,50 € pro Beleg. Mehr in Kosten Einsparungen.

Wer ist bereit, wer nicht?

Die wichtigste Bestandsaufnahme:

  • Welche Kunden können E-Rechnungen empfangen?
  • Welche Lieferanten schicken bereits elektronisch?
  • Welche internen Prozesse hängen noch an Papier (z. B. handschriftliche Freigabe)?

Bei den meisten B2B-Kunden ist der Empfang seit 2025 pflichtig (siehe E-Rechnung empfangen) – damit fällt das Argument „Mein Kunde will Papier" weg.

Schritt 1: Klärung der Zielformate

Faustregel:

EmpfängerFormat
BehördenXRechnung
B2B mit SoftwareXRechnung oder ZUGFeRD
B2CPDF, oft per Self-Service-Portal

Mehr in XRechnung vs. ZUGFeRD.

Schritt 2: Stammdaten konsolidieren

Vor jeder Umstellung: Adressen, USt-IdNr., Bankverbindungen, Leitweg-IDs prüfen. Saubere Daten sind Voraussetzung für hohe Automatisierung. Mehr in Leitweg-ID und Bankverbindung.

Schritt 3: Software-Stack vorbereiten

Mindestanforderungen an die Buchhaltungs- oder Faktura-Software:

  • Erzeugung von XRechnung und/oder ZUGFeRD.
  • Versand per E-Mail.
  • Archivierung der originären XML-Datei.
  • Schnittstelle zum Steuerberater.

Wenn das nicht erfüllt ist: Tool wechseln oder einen Generator wie ein Online-Tool nutzen. Mehr in Tool online und XRechnung kostenlos erstellen.

Schritt 4: Stichtag festlegen

Ohne Stichtag bleibt der Mischbetrieb dauerhaft. Setzen Sie ein Datum:

Ab dem 1. Juni 2027 versenden wir alle Rechnungen ausschließlich elektronisch.

Kommunizieren Sie das mindestens 8 Wochen vorher schriftlich an Geschäftspartner.

Schritt 5: Pilotphase

Starten Sie mit einer Kundengruppe, idealerweise denen mit modernen Systemen. Sammeln Sie Rückmeldungen:

  • Kommt die Rechnung an?
  • Wird sie automatisch verarbeitet?
  • Gibt es Probleme bei der Anzeige (z. B. fehlende Visualisierung der XML)?

Bei XRechnung können Empfänger mit veralteter Software die XML nicht lesen. Bei ZUGFeRD ist die PDF-Vorschau vorhanden. Mehr in PDF Unterschied.

Schritt 6: Eingangsseite mit umstellen

Es ist nicht zu Ende, wenn Sie elektronisch versenden. Auch der Eingang muss umgestellt sein:

  • Postfach für eingehende E-Rechnungen.
  • Workflow zur Validierung.
  • Buchungsautomatisierung.

Mehr in Zentraler Rechnungseingang und Buchungsautomatisierung.

Schritt 7: Archiv konsolidieren

Während der Übergangszeit haben Sie Papier- und elektronische Rechnungen parallel. Ältere Papierbelege bleiben in Papierform. Neue elektronische Belege gehören ins digitale Archiv. Wichtig:

  • 10 Jahre Aufbewahrung.
  • Originalformat erhalten.
  • Unveränderbar nach Eingang.

Mehr in Archivierung, Aufbewahrungspflicht und Unveränderbarkeit.

Was tun mit Bestandsbelegen?

Es gibt keine Pflicht, Papierbelege nachträglich zu digitalisieren. Sie dürfen aber:

  • Belege scannen und das Original entsorgen, wenn ein GoBD-konformes Verfahren dokumentiert ist.
  • Ersetzendes Scannen mit verfahrensbeschreibung und Vier-Augen-Prinzip.

Wer das macht, sollte einen Datenschutzbeauftragten und/oder Steuerberater einbeziehen.

Was tun mit Rückläufern?

Erfahrungswerte sagen: Bei sauberer Vorbereitung kommen weniger als 5 % der Empfänger mit Beanstandungen. Häufige Probleme:

  • „Wir können XML nicht öffnen." → ZUGFeRD anbieten.
  • „Wir haben kein E-Rechnungs-Postfach." → Verweis auf gesetzliche Pflicht seit 2025.
  • „Wir wollen weiterhin Papier." → Für B2B nach 2028 nicht mehr zulässig.

Mehr in Pflicht 2025.

Vorteile, die selten erwähnt werden

  • Schnelleres Mahnwesen (siehe Mahnwesen).
  • Bessere Liquiditätsplanung durch sofortige Buchung.
  • Weniger Postlaufzeiten bei Auslandsversand.
  • Klimabilanz: weniger Papier, weniger Fahrten, weniger CO₂. Mehr in Nachhaltigkeit.

Häufige Fragen

Muss ich Papierrechnungen aus dem Archiv konvertieren?

Nein. Papier bleibt Papier, elektronisch bleibt elektronisch.

Was ist mit Kunden ohne E-Mail?

Praktisch keine im B2B. Im B2C reicht weiterhin Papier oder ein Self-Service-Portal.

Lohnt sich die Umstellung wirtschaftlich?

Bei mehr als 30 Rechnungen pro Monat fast immer in unter zwei Jahren amortisiert. Bei kleinen Volumina aus Pflichtgründen.

Brauche ich für jeden Kunden ein eigenes Format?

Nein. ZUGFeRD funktioniert für fast alle. XRechnung nur für Behörden und Großkunden mit XML-Workflow.

Wie lange dauert eine Komplettumstellung?

In KMU 6 bis 12 Wochen, im Mittelstand bis zu 6 Monate. Mehr in Checkliste Einführung.