Leitweg-ID bei der XRechnung: Was sie ist, wo Sie sie bekommen, wie Sie sie nutzen

Die Leitweg-ID ist das Pflichtfeld, an dem die meisten XRechnungen an Behörden scheitern. Aufbau, Bedeutung und wie Sie die richtige ID herausfinden.

09.07.2026

Die Leitweg-ID ist klein, unscheinbar und das häufigste Problem bei XRechnungen an deutsche Behörden. Sie steht in einem einzigen Feld und entscheidet darüber, ob Ihre Rechnung überhaupt im Behördensystem ankommt. Wer den Aufbau einmal verstanden hat, vermeidet 90 % der Ablehnungen.

Was die Leitweg-ID ist

Die Leitweg-ID ist die Adresse einer öffentlichen Stelle innerhalb der zentralen Eingangsplattformen ZRE (Bund) und OZG-RE (Länder/Kommunen mit OZG-Anbindung). Ohne diese ID wüsste die Plattform nicht, an welche Behörde, welches Amt oder welche Buchungsstelle die Rechnung intern weitergeleitet werden soll.

Sie ist nicht zu verwechseln mit:

  • der Bestellnummer (BT-13) – das ist die ID der konkreten Bestellung, nicht des Empfängers
  • einer PEPPOL-ID – die ist für den PEPPOL-Versand zuständig
  • der USt-IdNr. – die identifiziert das Unternehmen umsatzsteuerlich

Die Leitweg-ID steht im Feld BT-10 Käuferreferenz. In der UBL-Syntax als cbc:BuyerReference, in CII als ram:BuyerReference.

Aufbau der Leitweg-ID

Eine Leitweg-ID besteht aus drei Teilen, getrennt durch Bindestriche:

[Grobadressierung]-[Feinadressierung]-[Prüfziffer]

Beispiel:

04011000-12345-67
TeilBedeutungLänge
Grobadressierungidentifiziert die Gebietskörperschaftbis zu 12 Stellen
Feinadressierungkonkrete Buchungsstelle (optional)bis zu 30 Stellen
Prüfzifferberechnete Kontrolle2 Stellen

Die Grobadressierung gibt einen ersten Hinweis auf den Empfänger:

  • 991 – Bundesbehörden
  • 99 plus Länderkennung – Landesverwaltungen
  • 04 – Bremen
  • 08 – Baden-Württemberg
  • 09 – Bayern
  • 11 – Berlin
  • 14 – Sachsen
  • ... weitere Länder nach amtlichem Schlüssel

Die genauen Regeln definiert der Standard XÖV-Leitweg-ID der KoSIT.

Wo Sie die Leitweg-ID herbekommen

Es gibt kein zentrales öffentliches Verzeichnis. Das ist ein wunder Punkt: Sie müssen die korrekte ID immer beim Auftraggeber erfragen.

In der Praxis steht sie meist hier:

  1. Auftragsbestätigung oder Bestellung. Wenn die Behörde digital bestellt, gehört die Leitweg-ID zum Bestelltext.
  2. Vergabeunterlagen. Bei öffentlichen Ausschreibungen wird die ID dort genannt.
  3. Lieferantenseite oder Impressum der Behörde. Manche Häuser veröffentlichen ihre IDs für die wichtigsten Buchungsstellen.
  4. Direkte Anfrage beim Sachbearbeiter oder bei der Vergabestelle. Wenn die ID nirgendwo zu finden ist, einfach fragen – Behörden sind hier inzwischen routiniert.

Wer auf eine Vermutung oder eine "alte" ID setzt, riskiert Ablehnung und damit Verzug der Zahlung.

In welche XRechnung-Felder kommt was?

Konkret beim Erstellen der Rechnung sind drei Felder relevant:

FeldInhalt
BT-10 KäuferreferenzLeitweg-ID
BT-13 BestellnummerBestellnummer der Behörde (oft Pflicht)
BT-49 elektronische Adresse KäuferE-Mail des Käufers (in XRechnung Pflicht)

Diese drei Felder werden gerne verwechselt. Bei Behörden ist es nicht ausreichend, die Bestellnummer in BT-10 zu schreiben – auch wenn Sie keine separate Leitweg-ID kennen. Ohne ID wird abgewiesen.

Format-Beispiele aus der Praxis

So sehen Leitweg-IDs in echten Konstellationen aus:

EmpfängerBeispiel
Bundesministerium (Bund)991-12345-67
Landesbehörde Bayern09-AB123-12
Stadt Hamburg02000000-12345-99
Kommune Schleswig-Holstein010059016001-AAA-66

Achten Sie auf Folgendes:

  • Bindestriche sind Pflicht; Leerzeichen, Punkte oder Schrägstriche sind nicht erlaubt.
  • Klein- und Großbuchstaben sind teilweise zugelassen, hängen aber vom Empfänger ab.
  • Sonderzeichen sind nicht zulässig.
  • Führende Nullen müssen genau so übernommen werden, wie der Auftraggeber sie nennt.

Validierung

Die Leitweg-ID wird auf zwei Ebenen geprüft:

  1. Format und Prüfziffer – die Geschäftsregel BR-DE-01 aus dem KoSIT-Schematron.
  2. Existenz im Routing – die Eingangsplattform prüft, ob es zu der ID einen aktiven Empfänger gibt.

Schritt 1 erkennt unser Validator und der KoSIT-Validator. Schritt 2 erfahren Sie erst nach dem Versand – wenn die Plattform die Rechnung mit "Empfänger nicht erreichbar" zurückweist.

Häufige Fehler

  • Falsche ID – die Behörde hat mehrere, Sie haben die für ein anderes Amt.
  • Veraltete ID – durch Reorganisation hat die Buchungsstelle eine neue ID bekommen.
  • Bindestriche fehlen oder sind durch Leerzeichen ersetzt.
  • Eigene Kunden- oder Lieferantennummer im BT-10 statt der Leitweg-ID.
  • Test-ID im Produktivbetrieb – das passiert beim ersten Echtversand nach der Testphase.

Sonderfall: ZUGFeRD an Behörden

Wenn Sie ZUGFeRD statt XRechnung an eine Behörde schicken, muss zwingend das Profil XRECHNUNG verwendet werden – sonst gelten die XRechnung-Geschäftsregeln nicht und die Leitweg-ID-Prüfung greift nicht durchgängig. In jedem anderen Profil ist BT-10 zwar optional, eine Behörde wird die Datei aber trotzdem ablehnen, wenn die ID fehlt.

B2B: brauchen Sie BT-10 auch dort?

Im reinen B2B ist BT-10 optional. Es darf aber gefüllt werden – viele Empfänger nutzen das Feld für ihre Lieferanten- oder Kundennummer. Wenn ein Geschäftspartner Ihnen eine "Käuferreferenz" mitteilt, gehört sie genau hierhin.

Häufige Fragen

Kann ich eine Leitweg-ID selbst generieren?

Nein. Die ID wird vom Auftraggeber zugeteilt. Eine selbst gewählte ID wird abgewiesen.

Was passiert, wenn ich die falsche ID eintrage?

Die Eingangsplattform lehnt die Rechnung ab oder leitet sie an die falsche Stelle weiter. In beiden Fällen verzögert sich die Zahlung.

Wo prüfe ich die Leitweg-ID online?

Im Validator oder im KoSIT-Validator. Beide erkennen falsche Prüfziffern und Formatprobleme.

Brauche ich die Leitweg-ID, wenn ich per E-Mail an eine Behörde schicke?

Ja. Auch beim E-Mail-Versand werten Behördensysteme das BT-10-Feld aus, weil sie die Rechnung intern routen müssen.

Gilt die Leitweg-ID auch bei Aufträgen unter 1.000 €?

Ja. Die Pflicht hängt nicht am Auftragswert, sondern am Empfänger.