E-Rechnung: Diese Kosten sparen Unternehmen durch Digitalisierung

E-Rechnungen reduzieren Prozesskosten erheblich. Erfahren Sie, wie viel Unternehmen durch die Umstellung auf elektronische Rechnungen sparen können.

22.09.2026

Die E-Rechnung wird oft als Pflicht erlebt – in der Buchhaltung ist sie aber schlicht billiger als das Vorgehen mit PDF und Papier. Die folgenden Zahlen kommen aus belastbaren Studien (Bitkom, IHK, Kammerverbund, EU-Kommission) und einer Reihe Mittelstands-Beratungen. Die Werte sind grobe Richtgrößen – die Tendenz ist aber überall gleich.

Die Eckzahlen aus Studien

Verschiedene Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen:

QuelleKosten PapierKosten PDFKosten E-Rechnung
Bitkom 2023ca. 11 €ca. 6 €ca. 1,80 €
EU-Kommission (Eurostat)9–13 €4–7 €0,50–2,50 €
Bundesnetzagentur Pilotprojekt9,82 €1,57 €

Der häufige Faustwert: Eine E-Rechnung kostet einen Bruchteil einer Papierrechnung – im Schnitt zwischen 50 Cent und 2,50 €.

Wo das Geld wirklich liegt

Die Einsparungen verteilen sich nicht gleichmäßig. Drei Hebel machen den Unterschied:

  1. Manuelle Erfassung beim Empfänger. Eine PDF-Rechnung wird in vielen Setups noch immer Feld für Feld eingetippt – durchschnittlich 5–10 Minuten pro Beleg.
  2. Postversand. Druck, Briefumschlag, Porto, Transport: 1,80–2,50 € pro Brief.
  3. Korrekturen und Rückfragen. Falsche IBAN, fehlende Bestellnummer, Rundungsfehler – jede Rückfrage kostet 15–30 Minuten plus Rückläufer.

Wer alle drei Hebel digitalisiert, spart in der Regel 70–85 % der Prozesskosten.

Aufschlüsselung der Kostenblöcke

BlockPapier/PDFE-Rechnung
Erstellung2–3 €0,30–0,80 €
Versand1,50–2,50 € (Papier) / 0,10 € (PDF)0,05–0,20 €
Empfang & Erfassung4–7 €0,30–0,90 €
Archivierung0,80–1,50 €0,10–0,30 €
Fehlerquote1–3 € (Schätzwert)< 0,30 €

Die Werte schwanken stark mit dem Automatisierungsgrad. Wer ohne ERP arbeitet, hat höhere Erstellungskosten. Wer ohne DMS arbeitet, höhere Empfangskosten.

Beispielrechnung Mittelstand

Annahme: Ein Mittelständler mit 3.000 Ausgangs- und 2.500 Eingangsrechnungen pro Jahr.

  • Bisher: 5.500 × 9 € = 49.500 € Prozesskosten.
  • Mit E-Rechnung: 5.500 × 1,80 € = 9.900 € Prozesskosten.
  • Differenz: rund 40.000 € Einsparung pro Jahr.

Selbst wenn die Hälfte der Werte zu niedrig oder zu hoch geschätzt ist, bleibt der Hebel substanziell. Hintergrund zur Wirtschaftlichkeit in E-Rechnung Kosten Investition.

Indirekte Einsparungen

Über die reinen Prozesskosten hinaus gibt es Effekte, die sich schwerer in Cent umrechnen lassen:

  • Schnellere Skonto-Nutzung. Wer Eingangsrechnungen in Stunden statt Tagen verarbeitet, schöpft 2–3 % Skonto häufiger ab.
  • Bessere Liquiditätssteuerung. Echtzeit-Daten in der Buchhaltung statt Wochenende-Buchung.
  • Weniger Mahnwesen. Strukturierte Daten verhindern „Rechnung nicht angekommen"-Diskussionen.
  • Geringere Steuerprüfungs-Risiken. Die XML ist eindeutig, das Finanzamt bekommt klare Daten (Betriebsprüfung).

Welche Investitionen dem entgegenstehen

Realistisch ist auch der Blick auf die andere Seite. Einmalige Investitionen:

  • Software-Erweiterung im ERP – meist Update kostenlos, sonst 1.000–10.000 € je nach System.
  • Schulung Buchhaltung – ein halber Tag.
  • Anpassung Templates – Stammdaten, Leitweg-IDs, Kontaktfelder.

Laufende Kosten:

  • PEPPOL Access Point – ab 0 € (kostenlos für kleine Volumen) bis 500 € pro Monat.
  • Validator – kostenlos in vielen Online-Tools.
  • Archivierung – meist über bestehendes DMS.

In Summe amortisiert sich die Umstellung im Mittelstand häufig innerhalb des ersten Jahres.

Wer am meisten spart

Drei Profile mit besonders hohem Hebel:

  1. Handwerksbetriebe mit vielen kleinen Einzelrechnungen (E-Rechnung Handwerk).
  2. Lieferanten der öffentlichen Hand – sie sparen Papier, Versand und mehrfach Bearbeitungs-Zyklen.
  3. Buchhaltungs-Dienstleister und Steuerberater – jeder digitalisierte Mandant rechnet sich pro Monat (E-Rechnung Steuerberater).

Wo die Einsparung gering ist

Ehrlich gesagt: Wer ohnehin schon papierlos arbeitet, profitiert nur moderat. Beispiele:

  • Reine B2C-Shops mit Kassensystem.
  • Vermieter steuerfreier Wohnungen (Ausnahmen).
  • Sehr kleine Kleinunternehmer mit < 30 Rechnungen pro Jahr.

Hier ist die E-Rechnung trotzdem rechtlich relevant – sie spart aber pragmatisch wenig.

Häufige Fragen

Sind die Studienzahlen realistisch?

Sie sind Mittelwerte. Konkrete Werte hängen stark vom Automatisierungsgrad ab. Faustregel: Wer per Hand eintippt, liegt am oberen Ende; wer ein integriertes ERP nutzt, am unteren.

Wie schnell amortisiert sich die Umstellung?

Bei Mittelständlern in der Regel zwischen 6 und 18 Monaten. Bei sehr kleinen Unternehmen über kostenlose Tools meist sofort.

Lohnt sich PEPPOL für kleine Unternehmen?

Bei wenigen Rechnungen genügt eine E-Mail-Schiene mit ZUGFeRD oder XML-Anhang. PEPPOL lohnt sich ab ca. 50–100 Rechnungen pro Monat oder bei großen Auftraggebern.

Was ist der größte Kostentreiber bei Papier?

Manuelle Erfassung auf Empfängerseite. Druck und Porto sind kleiner als oft angenommen – die Mannstunden in der Buchhaltung sind das eigentliche Geld.

Sparen wir auch bei einer reinen ZUGFeRD-Lösung ohne ERP-Anbindung?

Ja, aber weniger. Die volle Einsparung kommt erst mit automatisierter Verbuchung der XML – also einer DATEV-/SAP-/Lexware-Anbindung. Hintergrund in Buchhaltung-Integration.