E-Rechnung im internationalen Vergleich: So machen es andere Länder

Viele Länder haben die E-Rechnung bereits eingeführt. Wir vergleichen die Lösungen in Italien, Frankreich, Spanien und anderen Ländern mit Deutschland.

26.03.2027

Deutschland ist mit der E-Rechnungspflicht spät dran. Italien fing 2019 an, Spanien und Frankreich folgten, Polen, Belgien und die nordischen Länder ziehen nach. Wer den deutschen Weg verstehen will, sollte einen Blick in die Nachbarländer werfen – jeder Staat hat eigene Regeln, eigene Formate und eigene Lehren aus der Einführung.

In diesem Artikel vergleichen wir die wichtigsten europäischen Länder und zeigen, was Deutschland davon lernen kann (und was eher nicht).

Italien: das Pflicht-Pionierland

Italien führte 2019 die verpflichtende E-Rechnung im B2B ein – das erste EU-Land überhaupt. Eckpunkte:

  • Format: FatturaPA (italienisches XML, nicht voll EN-16931-konform)
  • Übertragung: zentrale staatliche Plattform SDI (Sistema di Interscambio)
  • Real-time Reporting: vollständig integriert
  • Pflicht für alle B2B-Umsätze, auch innergemeinschaftliche

Ergebnis nach fünf Jahren: Mehrwertsteuerlücke um rund 4 Mrd. € pro Jahr gesenkt. Die anfängliche Skepsis ist verflogen, die Plattform läuft stabil. Mehr in E-Rechnung in Italien.

Frankreich: das Y-Modell

Frankreich startete schrittweise ab 2024/2026 mit einem hybriden Modell. Eckpunkte:

  • Formate: Factur-X (entspricht ZUGFeRD), UBL, CII
  • Übertragung: über zertifizierte „Plateformes de Dématérialisation Partenaires" (PDP)
  • Zentrale staatliche Plattform: PPF (Portail Public de Facturation)
  • Pflicht zur E-Rechnung: gestaffelt nach Unternehmensgröße bis 2027

Die Besonderheit: Frankreich erlaubt mehrere private Plattformen als Vermittler – Wettbewerb statt Monopol. Mehr zu Factur-X in ZUGFeRD und Factur-X.

Spanien: das Mittelstandsmodell

Spanien hat im B2G-Bereich seit 2015 die Pflicht über das Format FacturaE. Im B2B kommt eine umfassende Pflicht ab 2026/2027 (Ley Crea y Crece). Eckpunkte:

  • Format: FacturaE (XML), Übergang zu EN-16931-konform
  • Übertragung: über akkreditierte Plattformen
  • Reporting: SII-System (Suministro Inmediato de Información), bereits seit 2017 für Großunternehmen

Spanien ist ein gutes Beispiel für die Trennung von „Rechnung" und „Reporting" als zwei separaten Pflichten.

Belgien: PEPPOL als Pflicht

Belgien hat sich entschieden, PEPPOL zum verpflichtenden Übertragungsweg zu machen. Eckpunkte:

  • Format: PEPPOL BIS Billing 3.0
  • Übertragung: PEPPOL-Netzwerk
  • B2G seit 2024 verpflichtend, B2B ab 2026

Vorteil: Belgien profitiert vom internationalen Netzwerk und muss keine eigene Plattform bauen. Mehr in PEPPOL erklärt.

Polen: KSeF mit Verzögerungen

Polen plant ein zentrales staatliches System namens KSeF (Krajowy System e-Faktur). Die Pflicht wurde mehrfach verschoben und startet voraussichtlich 2026. Eckpunkte:

  • Format: nationales XML, EN-16931-kompatibel
  • Übertragung: ausschließlich über KSeF
  • Reporting: in Echtzeit integriert

Polen zeigt: Auch große Projekte können mehrfach verschoben werden. Eine wichtige Lehre für die deutsche Planung.

Skandinavien: pragmatisch und marktnah

Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland setzen seit Jahren auf PEPPOL und marktbasierte Lösungen. Eckpunkte:

  • Format: PEPPOL BIS Billing 3.0
  • Übertragung: PEPPOL-Netzwerk
  • Pflicht primär im B2G-Bereich, B2B faktisch durch Marktdruck

Hier ist die E-Rechnung schon lange Alltag – ohne große Pflicht-Welle, einfach über etablierte Standards.

Vergleichstabelle

LandFormatÜbertragungB2B PflichtReporting
ItalienFatturaPASDIseit 2019integriert
FrankreichFactur-XPDP/PPFab 2026/27integriert
SpanienFacturaEPlattformenab 2026/27SII separat
BelgienPEPPOL BISPEPPOLab 2026(ViDA)
PolenKSeF-XMLKSeFab 2026integriert
DeutschlandXRechnung, ZUGFeRDfreiab 2027/28(geplant)
SkandinavienPEPPOL BISPEPPOLmarktgetriebennicht zentral

Was Deutschland lernen kann

Drei Erkenntnisse aus den Nachbarländern:

  1. Wahlfreiheit beim Format zahlt sich aus. Deutschland erlaubt XRechnung und ZUGFeRD parallel. Das ist im Vergleich zu Italien (nur FatturaPA) für KMU deutlich freundlicher.
  2. Marktbasierte Übertragung statt Monopol. Frankreich und Belgien setzen auf private Anbieter bzw. PEPPOL. Das senkt die Last für die Verwaltung.
  3. Frühzeitig kommunizieren. Polen hat durch Verschiebungen viel Vertrauen verloren. Deutschland sollte die Fristen halten oder klar kommunizieren.

Was eher nicht zu empfehlen ist

  • Eigenes Format ohne EN-16931-Konformität wie in Italien anfänglich.
  • Verbindliche staatliche Plattform – Datenschutzdebatten und Single Point of Failure.
  • Kurzfristige Termine – nationale Verbände warnen schon heute, dass 2027 für viele KMU sportlich wird. Mehr in E-Rechnung Übergangsregelungen.

Praktischer Tipp für deutsche Unternehmen

Wer international Rechnungen versendet, sollte die Format-Anforderungen pro Land prüfen. ZUGFeRD bzw. Factur-X funktioniert in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, in Skandinavien und vielen weiteren Ländern. Für Italien braucht man eine FatturaPA-fähige Lösung, für Spanien FacturaE.

Mehr zu grenzüberschreitenden Rechnungen in E-Rechnung Ausland und E-Rechnung innergemeinschaftlich.

Häufige Fragen

Welches Land ist am weitesten?

Italien hat die längste Erfahrung. Die nordischen Länder haben die marktreifsten Lösungen über PEPPOL.

Sind die nationalen Formate untereinander kompatibel?

Nicht direkt. Die Konvergenz auf EN 16931 schreitet aber voran. ViDA wird das ab 2030 zur Pflicht machen.

Brauche ich für jedes Land eine eigene Software?

Nein, moderne ERP-Systeme decken mehrere Länder ab. Service Provider übernehmen die Konvertierung.

Was bedeutet PEPPOL BIS?

PEPPOL Business Interoperability Specification – die internationale Variante einer EN-16931-konformen E-Rechnung.

Wird Deutschland eine zentrale Plattform bauen?

Nach aktuellem Stand nein. Die Übermittlung bleibt frei wählbar.