PEPPOL erklärt: Wie das europäische Netzwerk für E-Rechnungen funktioniert
PEPPOL ist das europaweite Netzwerk für den elektronischen Rechnungsaustausch. Funktionsweise, Zugang, Kosten und wann sich der Anschluss lohnt.
Wer im internationalen Geschäft unterwegs ist oder regelmäßig an Behörden in Norwegen, den Niederlanden oder Belgien fakturiert, kommt um den Begriff PEPPOL nicht herum. In Deutschland ist das Netz weniger präsent, aber das ändert sich gerade. Dieser Artikel erklärt, was PEPPOL ist, wie es technisch funktioniert und wann sich der Anschluss für Sie wirklich lohnt.
Was PEPPOL ist – und was nicht
PEPPOL steht für Pan-European Public Procurement OnLine. Es ist kein Format, sondern ein Netzwerk, über das strukturierte Geschäftsdokumente sicher zwischen Sender und Empfänger ausgetauscht werden – primär E-Rechnungen, aber auch Bestellungen, Lieferscheine und Antwortdokumente.
Betrieben wird das Netz von der gemeinnützigen Organisation OpenPEPPOL mit Sitz in Brüssel. Mitglieder sind Behörden, Service-Provider und Unternehmen aus über 40 Ländern. Die deutsche Bundesdruckerei ist Peppol Authority für Deutschland.
PEPPOL ist also kein Konkurrent zur XRechnung oder zu ZUGFeRD. Es ist ein Übertragungsweg, über den Rechnungen in einem dieser Formate transportiert werden – plus ein eigenes Format, PEPPOL BIS Billing 3.0, das auf der UBL-Variante der EN 16931 basiert.
Das 4-Corner-Modell
PEPPOL funktioniert nach einem festen Muster mit vier Beteiligten:
- Corner 1 – Sender: Sie, in Ihrem Buchhaltungs- oder ERP-System.
- Corner 2 – Sender Access Point: Ein zertifizierter Dienstleister, der die Rechnung ins Netz einspeist.
- Corner 3 – Empfänger Access Point: Der zertifizierte Dienstleister des Empfängers.
- Corner 4 – Empfänger: Das Buchhaltungssystem des Empfängers.
Sender und Empfänger sind also nicht direkt verbunden. Sie nutzen jeweils einen Access Point. Beide Access Points kommunizieren über das verschlüsselte AS4-Protokoll. Eine eigene Empfänger-Adresse oder ein Portal bei jedem Geschäftspartner ist nicht nötig – das Netz übernimmt die Zustellung.
PEPPOL-ID: Ihre Adresse im Netz
Jeder Teilnehmer hat eine eindeutige Kennung, die sogenannte Participant Identifier. Sie sieht so aus:
0204:DE1234567890204ist das Schema – hier die deutsche Leitweg-ID. Andere Schemata sind die USt-IdNr. (9930), die DUNS-Nummer (0060), oder länderspezifische Kennungen.- Die zweite Hälfte ist Ihre tatsächliche ID nach diesem Schema.
Über das SML/SMP-Verzeichnis des Netzes findet Ihr Access Point heraus, an welchen Empfänger-Access-Point er die Rechnung schicken muss.
PEPPOL BIS Billing 3.0 – das gemeinsame Format
Innerhalb von PEPPOL wird E-Rechnungen ausschließlich im Format PEPPOL BIS Billing 3.0 ausgetauscht. Es ist eine CIUS der EN 16931 auf Basis der UBL-Syntax mit der Spezifikationskennung:
urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:3.0Eine reine XRechnung ist nicht automatisch PEPPOL BIS – sie kann aber per Konvertierung umgewandelt werden. Die meisten Service-Provider machen das im Hintergrund, sodass Sie davon nichts merken.
Drei Wege zum Anschluss
Wer PEPPOL nutzen will, hat drei realistische Optionen:
1. Service-Provider mit eigenem Access Point
Der pragmatische Weg für die meisten KMU. Sie nutzen einen Dienstleister wie Crossinx (Unifiedpost), Seeburger, Comarch, Pagero, Storecove oder andere. Sie schicken Ihre Rechnung im gewohnten Format an den Provider, der sie ins Netz einspeist. Kosten: meist eine Grundgebühr ab etwa 20 €/Monat plus nutzungsabhängige Komponente, je nach Anbieter.
2. Anschluss über die Buchhaltungssoftware
Manche Buchhaltungstools bieten direkten PEPPOL-Versand als Modul oder Zusatzdienst an. Das ist die bequemste Variante, wenn Sie ohnehin diese Software nutzen.
3. Eigener Access Point
Nur sinnvoll für sehr große Unternehmen, Service-Provider und Software-Hersteller. Die Zertifizierung ist aufwendig (Sicherheitsaudit, AS4-Implementierung, Verträge mit OpenPEPPOL). Einmalkosten im fünfstelligen Bereich, dazu laufende Verpflichtungen.
Wann sich PEPPOL lohnt
PEPPOL ist nicht für jeden. Diese Konstellationen sprechen klar dafür:
- Sie haben Geschäftspartner in Skandinavien, den Niederlanden, Belgien, Frankreich oder Australien.
- Sie liefern an deutsche Behörden, die OZG-RE einsetzen.
- Sie arbeiten mit großen Konzernen zusammen, die PEPPOL als bevorzugten Eingangskanal nennen.
- Sie verschicken viele Rechnungen pro Monat und wollen Empfangsbestätigungen automatisiert verarbeiten.
Wenn Sie hingegen ausschließlich an deutsche KMU fakturieren und Ihre Rechnungen per E-Mail ankommen sollen, brauchen Sie kein PEPPOL.
Vorteile
- Standardisiert. Ein Anschluss reicht für die ganze Welt im Netz.
- Sicher. Verschlüsselte Übertragung mit Zertifikaten, klare Empfangsbestätigungen.
- Verbindlich. Anders als bei E-Mail wissen Sie sicher, dass die Rechnung angekommen ist.
- Vorbereitet auf die Zukunft. Die EU-Pläne zu ViDA (VAT in the Digital Age) gehen klar in die Richtung von Netzwerken wie PEPPOL.
Häufige Stolpersteine
- Falsche PEPPOL-ID des Empfängers. Die ID gibt der Empfänger vor – raten geht schief.
- Empfänger ist nicht im SMP registriert. Dann ist er für PEPPOL nicht erreichbar, auch wenn er prinzipiell anschlussfähig wäre.
- Falsches Format. PEPPOL BIS 3.0 ist nicht identisch mit XRechnung. Tools konvertieren das, aber gelegentlich gehen DE-spezifische Felder verloren.
- Kostenmodell unterschätzt. Manche Provider werden bei sehr vielen Rechnungen schnell teuer. Vergleichen lohnt sich.
Häufige Fragen
Brauche ich PEPPOL für die deutsche E-Rechnungspflicht?
Nein. Die Pflicht schreibt das Format vor, nicht den Übertragungsweg. E-Mail reicht.
Was kostet PEPPOL für ein kleines Unternehmen?
Über einen Service-Provider üblicherweise 20–60 € pro Monat plus nutzungsabhängige Komponenten. Eigener Access Point: deutlich mehr.
Ist PEPPOL nur für Behörden?
Nein. Im B2B wird es zunehmend wichtiger, vor allem grenzüberschreitend.
Welcher Service-Provider passt zu mir?
Hängt vom Volumen und der Branche ab. Für KMU sind Storecove, Crossinx und Pagero verbreitet. Für größere Mittelständler eher Seeburger oder Comarch.
Was ist der Unterschied zwischen PEPPOL und der OZG-RE?
Die OZG-RE ist eine deutsche Eingangsplattform für Behörden. PEPPOL ist ein internationales Netzwerk. Über PEPPOL können Sie Rechnungen an die OZG-RE schicken, aber auch an viele andere Empfänger.