E-Rechnung in der Cloud: SaaS-Lösungen für kleine Unternehmen

Cloud-basierte E-Rechnung-Lösungen sind besonders für KMU geeignet. Wir stellen die besten SaaS-Dienste für die E-Rechnungserstellung vor.

21.01.2027

Wer als kleines Unternehmen, Freiberufler oder Start-up auf E-Rechnung umstellt, hat zwei Wege: lokale Software oder Cloud-Tool. Lokale Software hat bei vielen einen Vertrauensvorschuss („Daten bleiben bei mir"), bringt aber Wartungs- und Update-Aufwand mit. Cloud-Lösungen versprechen Bequemlichkeit, immer aktuelle Formate und Validierung – verlangen aber Vertrauen in den Anbieter.

Dieser Beitrag ordnet die SaaS-Landschaft ein und nennt Kriterien für die Auswahl.

Was leistet ein Cloud-Tool für E-Rechnung?

Ein typisches Cloud-Tool deckt vier Funktionen ab:

  1. Erstellung der Rechnung als XRechnung oder ZUGFeRD.
  2. Validierung gegen das Schema und CIUS.
  3. Versand per E-Mail, Portal-Upload oder Peppol.
  4. Archivierung GoBD-konform.

Plus oft: Kunden- und Artikelstammdaten, Mahnwesen, Auswertungen, Schnittstelle zur Buchhaltung (DATEV, Lexware, Sage etc.).

Drei Kategorien von Anbietern

Der Markt teilt sich grob in drei Gruppen:

KategorieBeispieleStärke
Vollständige Buchhaltungs-SaaSLexware Office, sevDesk, Buchhaltungsbutler, CandisBuchhaltung + Rechnung in einem
Spezialisierte E-Rechnungs-Toolsspezialisierte XRechnung-GeneratorenTiefere Funktionalität bei Pflichtfeldern
ERP-ModuleDATEV, Sage, Microsoft Dynamicsfür größere Unternehmen mit ERP

Für die meisten KMU passt Kategorie 1. Wer keinen Buchhaltungsteil braucht, fährt mit Kategorie 2 günstiger.

Vorteile Cloud

  • Immer aktuelle Formate: XRechnung 3.x kommt über Update, Sie müssen nichts tun.
  • Plattform-Updates: ZRE, OZG-RE, Peppol – der Anbieter pflegt die Schnittstellen.
  • Skalierbarkeit: 10 oder 1.000 Rechnungen pro Monat ohne Hardware-Anpassung.
  • Mobile Nutzung: Rechnung schreiben unterwegs, im Büro, im Homeoffice.
  • Backup inklusive: in der Regel mehrfach redundante Speicherung.

Nachteile Cloud

  • Datenstandort: nicht jeder Anbieter hostet in der EU.
  • Abhängigkeit: bei Insolvenz oder Anbieterwechsel müssen Sie migrieren.
  • Datenschutz: AVV nötig, Drittland-Transfer prüfen (siehe DSGVO).
  • Internetverbindung erforderlich: Offline kein Zugriff.
  • Wiederkehrende Kosten: Abo statt Einmalkauf.

Auswahlkriterien

Bei der Auswahl eines Anbieters sollten folgende Punkte geklärt sein:

KriteriumFrage
FormatXRechnung 3.x und ZUGFeRD 2.x unterstützt?
VersandPeppol-Anbindung vorhanden?
ValidierungKoSIT-Validator integriert?
StandortServer in EU/Deutschland?
AVVAuftragsverarbeitungsvertrag verfügbar?
ExportDatenexport jederzeit möglich (XML, CSV)?
ArchivGoBD-konformes Archiv inklusive?
SchnittstellenDATEV, Lexware, Buchhaltung etc.?
SkalierungPreis pro Rechnung oder flat?
Supportdeutschsprachig, telefonisch erreichbar?

Kostenüberblick

Die Preise streuen breit:

  • Solo / Freiberufler: 8–20 € pro Monat, oft mit Beleglimit.
  • Kleinunternehmen: 20–50 € pro Monat.
  • Mehrbenutzer / KMU: ab 50 € pro Monat plus User.
  • Pure-Play E-Rechnungs-Tools (ohne Buchhaltung): teils kostenlos für wenige Rechnungen, ab 5 € pro Monat aufwärts.

Achten Sie auf die Definition „Beleg" – manche zählen Eingangs- und Ausgangsrechnungen getrennt, andere zusammen.

Cloud vs. lokale Software

AspektCloudLokal
Updateautomatischmanuell
Datenstandortbeim Anbieterbei Ihnen
WartunginklusiveEigenleistung
Skalierungflexibelbegrenzt
InitialkostengeringLizenz
FolgekostenAboWartung
Mobilitäthochmeist gering

Für die meisten KMU überwiegen die Cloud-Vorteile. Wer maximale Datenkontrolle braucht (z. B. Anwaltskanzlei, Arztpraxis), sollte lokale Lösungen oder On-Premise-Cloud (eigener Server beim Anbieter) prüfen.

Datenschutz: das wichtigste Cloud-Thema

Die Anforderungen aus der DSGVO gelten unverändert. Faustregeln:

  • AVV unterzeichnen lassen, vor Echteinsatz.
  • Hosting-Standort prüfen (EU bevorzugt).
  • Bei US-Anbietern Data Privacy Framework + SCCs.
  • TOM des Anbieters nachvollziehen.

Mehr in DSGVO.

Migration: rein und raus

Vor dem Wechsel auf einen Anbieter prüfen, wie der Ausstieg aussieht:

  • Kann ich alle Rechnungen als ZIP herunterladen?
  • Bekomme ich Stammdaten als CSV?
  • Bleiben Archive auch nach Vertragsende zugänglich (oft kostenpflichtig)?

Ein guter Anbieter dokumentiert den Export. Schlechte machen ihn schwer.

Schnittstellen zur Buchhaltung

Wer mit DATEV, Lexware oder einem anderen Buchhaltungssystem arbeitet, sollte auf Schnittstellen achten:

  • DATEV-XML Export.
  • DATEV Unternehmen Online.
  • Lexware-Schnittstelle.
  • Schnittstelle zum eigenen ERP.

Manuelle CSV-Übertragungen funktionieren auch, sind aber fehleranfällig.

Hochlast und Sonderfälle

Wer im Monat 5.000+ Rechnungen erzeugt, sollte API-Tools nutzen statt manuelle Web-Oberfläche. Viele SaaS-Anbieter bieten REST-APIs für die Erstellung von Rechnungen aus dem eigenen System.

Häufige Fragen

Sind meine Daten in der Cloud sicher?

Bei seriösen Anbietern mit deutschem oder EU-Hosting und ISO-27001-Zertifizierung: ja. Wichtig ist der AVV und der Hosting-Standort.

Kann ich später wieder auf lokale Software wechseln?

Ja, sofern der Anbieter sauberen Datenexport bietet. Vor Vertragsabschluss prüfen.

Was, wenn der Anbieter pleitegeht?

Daten exportieren so früh wie möglich. Einige Anbieter bieten Treuhand-Lösungen.

Brauche ich für die Cloud-Lösung noch eigene Backups?

Vom Tool selbst nein. Wer ganz sichergehen will, exportiert regelmäßig die Rechnungen als ZIP zur eigenen Ablage.

Welche Cloud-Lösung ist die beste?

Hängt von Volumen, Buchhaltungs-Stack und Branche ab. Tipp: 2–3 Anbieter testen (alle bieten kostenlose Testphasen) und mit einem realen Beispiel-Workflow vergleichen.